Pressemitteilung des BCJ.Bayern zum 10. Juli 2026 - "Tag der Solidarität mit Juden und Israel"
»Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt und weinte über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient!« (Lk 19,41–42)
Jesu Weinen kann für eine christliche Perspektive auf Antisemitismus und den Nahostkonflikt wegweisend sein. Es führt Christinnen und Christen an einen Ort der Verbundenheit. Jesus weint nicht über eine fremde Stadt. Er weint über Jerusalem, die Stadt seines Volkes. Sein Schmerz entspringt der Liebe, seiner Zugehörigkeit und seiner Sorge um ihre Zukunft. Damit stellt er sich in die jüdisch-prophetische Tradition und zeigt: Wahre Solidarität wendet sich nicht ab, wenn politische Entscheidungen Anlass zur Sorge geben. Wir sind überzeugt: Christliche Solidarität mit Jüdinnen und Juden und mit Israel ist Ausdruck einer solchen bleibenden Verbundenheit.
Am 10. Juli 2026 findet zum dritten Mal der »Tag der Solidarität mit Juden und Israel« statt, ausgerufen durch den Deutschen Verein für Demokratie und Information e.V. Wir unterstützen diese Aktion und stellen fest:
Erstens: Die Solidarität mit Jüdinnen und Juden steht nicht zur Disposition. Angesichts von wachsendem Antisemitismus, der Verunsicherung vieler Jüdinnen_Juden und zunehmender Anfeindungen gegen jüdisches Leben in Deutschland darf sie weder relativiert noch von politischen Entwicklungen abhängig gemacht werden. Die Würde, Sicherheit und Freiheit jüdischen Lebens verdienen uneingeschränkte Unterstützung.
Zweitens: Die Solidarität mit Israel steht in engem Zusammenhang mit dieser Solidarität. Für Jüdinnen und Juden weltweit ist Israel als einziger jüdischer Staat ein zentraler Bezugspunkt und Teil ihrer Geschichte, Identität, Hoffnung und Sicherheit. Diese Verbundenheit ernst zu nehmen, gehört zu einem respektvollen Umgang mit jüdischen Perspektiven. Solidarität mit Jüdinnen und Juden schließt deshalb die Anerkennung dieser besonderen Beziehung zu Israel ein.
Drittens: Weder Solidarität mit Jüdinnen und Juden noch Solidarität mit Israel bedeuten, politische Entscheidungen einer Regierung von Kritik auszunehmen. Demokratische Debatten und sachliche Kritik gehören zu einer offenen Gesellschaft. Gerade Israel zeichnet sich durch eine lebendige demokratische Kultur aus, in der politische Entscheidungen öffentlich und oft leidenschaftlich diskutiert werden, wie die lautstarken Proteste gegen die israelische Regierung im Land selbst zeigen. Sie ist Ausdruck demokratischer Verantwortung und kein Widerspruch zur Verbundenheit mit dem Staat Israel. Kritik darf jedoch niemals dazu führen, pauschal jüdische Menschen weltweit für das Handeln der israelischen Regierung verantwortlich zu machen oder Antisemitismus zu verharmlosen. Wo Kritik an Israel in Ablehnung oder gar Bedrohung jüdischen Lebens in Israel oder anderen Ländern der Welt umschlägt, ist eine Grenze überschritten.
BCJ.Bayern ruft deshalb Christinnen und Christen sowie die Kirchen dazu auf, sich dieser Herausforderung entschlossen zu stellen. Schweigen ist keine Option. Die Einsichten des christlich-jüdischen Dialogs verpflichten dazu, an der Seite von Jüdinnen und Juden zu stehen und antisemitischen Tendenzen entschieden entgegenzutreten. Unsere Solidarität gegenüber Israel gilt, wie auch in Bezug auf andere Länder, nicht einzelnen Regierungen, sondern den Menschen in Israel und den demokratischen Grundlagen des Staates. Wir stehen an der Seite eines vielfältigen Israel, in dem Jüdinnen und Juden, Musliminnen und Muslime, Christinnen und Christen sowie Menschen anderer Überzeugungen ihre Rechte wahrnehmen können und das gesellschaftliche Leben gemeinsam gestalten.
YANI"V - Der hebräische Name unseres Vereins
יני״ב - יחסי נוצרים ויהודים בבוואריה
Yani‘‘v – Yahasei notsrim weyehudim bebavaria
Im Gespräch mit israelischen Freundinnen und Freunden war der Name »BCJ« ungünstig, denn da wunderten sich so manche, warum die anderen ständig von »Betziot«, also von Eizellen der weiblichen Eierstöcke, sprechen. Also haben wir nach einem hebräischen Namen gesucht und einen gefunden, der sich mit YANI"V abkürzen lässt:
Yaniv – »Er wird Frucht bringen«
Möge der jüdisch-christliche Austausch Frucht bringen!
Yani"v ist ein Akronym unseres Vereinsnamens auf Hebräisch. Das hebräische Verb Yaniv bedeutet zudem »er wird gedeihen, er wird Frucht bringen«. Yaniv ist auch ein hebräischer männlicher Vorname und der Name eines beliebten israelisches Kartenspiels, über das 2024 sogar eine amerikanische Komödie gedreht wurde. (Zitat aus dem Film: „Yaniv is the Black Jack of the jewish people!“)
Vielleicht tut es auch der Arbeit unseres Vereins gut, manches spielerisch anzugehen: einen hohen Einsatz bringen, mit Verlusten umgehen können und den Spaß nicht verlieren!
Budapest - Auf jüdischen Spuren
Studienreise vom 1. - 6. September 2026
Unsere Kultur- und Begegnungsreise nach Budapest lädt dazu ein, die bewegte jüdische Geschichte der Stadt mit Wissen, Respekt und persönlicher Nähe zu entdecken. In Gesprächen, Führungen und gemeinsamen Erlebnissen öffnen sich Türen zu einem vielfältigen kulturellen Erbe, das bis heute das Leben in Budapest prägt. Diese Reise verbindet historische Einblicke mit authentischen Begegnungen und schafft so einen besonderen Zugang zu einer beeindruckenden europäischen Metropole. Einander hören, voneinander lernen und so Seiten aneinander und an einem selbst entdecken, das ist das Anliegen des BCJ mit dieser spannenden Reise.
Auf dem Programm stehen neben informativen Stadtführungen zur allgemeinen Geschichte und zur heutigen Situation sowie zu Zeugnissen historischen wie gegenwärtigen jüdischen Lebens vor allem Begegnungen, die einen Einblick in die Vielfältigkeit heutigen jüdischen Lebens vermitteln. Diese Vielfalt zeigt sich in den über 20 aktiven Synagogen, dem "Landesrabbinerseminar-Jüdische Universität", dem Zentrum für die Unterstützung unterschiedlichen jüdischen Bewusstseins im 21. Jahrhundert Balint Haz bis hin zum unabhängigen jüdischen Theater Golem Szinhaz.
Jetzt hier anmelden!
https://www.bildung-evangelisch.com/system/files/dateien/Reiseanmeldung_Budapest%20BCJ.pdf
BCJ.Bayern tritt ein für ein tieferes Verständnis des Judentums unter den Christen und des Christentums unter den Juden, insbesondere innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Der Verein fördert Begegnungen zwischen Christen und Juden.
Es ist uns ein Anliegen, auf das Zeugnis der jeweils anderen zu hören, voneinander zu lernen und so Seiten aneinander und an uns selbst zu entdecken. Das hilft uns, gemeinsame Aufgaben zu erkennen und anzugehen.